Arbeits- und Forschungsgruppe
Benno Walldorf
1928 - 1985
Benno Walldorf: Entwurf Wandgemälde Universität Konstanz, Ausschnitt
© VG Bild-Kunst, Bonn
Arbeits- und Forschungsgruppe Benno Walldorf
"Benno Walldorf. Das graphische Werk"
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Arbeits- und Forschungsgruppe Benno Walldorf
Die Benno-Walldorf-Arbeits- und Forschungsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, den viel zu früh verstorbenen Künstler Benno Walldorf (1928-1985) wieder besser im kollektiven Gedächtnis der Stadt Gießen zu verankern. Wir sind überzeugt, dass sein Talent und seine Ausnahmequalitäten als Künstler und als sozialer Vermittler gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Der vorliegende Internetauftritt soll daher zu einer besseren Bekanntheit dieses illustren Sohnes der Stadt Gießen beitragen.
Vielfache Talente
Wer Benno Walldorf kannte, weiß von seinen unterschiedlichen künstlerischen Talenten. Da ist ein umfassendes Werk an Ölgemälden, vereinzelt Gouache-Arbeiten, und vor allem auch eine Vielzahl von Serigraphien von überwältigender Farbigkeit. Als Auftragsarbeiten schuf er großflächige Wandgemälde in vielen öffentlichen Gebäuden in der ganzen Bundesrepublik Deutschland (Universität Konstanz, DGB-Hochhaus Hannover, Technisches Rathaus Frankfurt, Schulen in Wiesbaden). Daneben existiert ein Schatz an Lichtbildaufnahmen vor allem aus der Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre, die Benno Walldorfs originellen Blickwinkel auf die soziale Wirklichkeit dieser Zeit offenbaren.
© Benno Walldorf: Haus, Baum, Stuhl, Öl auf Leinwand, 1963 | Bild: VG Bild-Kunst, Bonn
Das gemalte Zimmer
Ein besonderes Gesamtkunstwerk ist das sog. „Gemalte Zimmer“ oder "Made in Germany", ein Ensemble (Installation) mit den Circa-Maßen 3 x 3 x 3 m, das aus im typischen Benno-Walldorf-Stil angemalten Möbeln besteht, die ja auch wiederum in seinen Bildern eine Rolle spielen (vor allem Stühle). Auch eine große Stuhlsammlung nannte Benno Walldorf sein eigen.
Einschätzung
Den Maler Benno Walldorf würdigte Friedhelm Häring, ehemaliger Leiter des Oberhessischen Museums (1978-2012) und Kulturamtsleiter der Stadt Gießen (1991-2012), der gute Kontakte zur Frankfurter Kulturszene pflegte, wie folgt:
„Benno Walldorf (1928–1985) hat weit über seine Vaterstadt hinaus Ruhm gewonnen. Er ist sehr früh aus Gießen weggegangen. Er erhielt große Wandbildaufträge in Gießen, an der Universität in Konstanz, in Frankfurt am Technischen Rathaus und an anderen Orten. Berühmt und gerühmt wurde er auch als Jazzmusiker und als Fotograf der Jazzszene und des brodelnden Lebens im aufbauwütigen Frankfurt der 50er und 60er Jahre. Seine Malerei gehört zu dem so genannten „Magischen Realismus”, einer eindringlichen Kombination von Surrealismus und naiver Malerei, wie wir sie auch bei Chirico sehen. Diese von Chirico mitgegründete Stilrichtung findet bei Walldorf eine Steigerung und
Fortführung. Die unwahrscheinliche Synthese zwischen Naivität und einem intellektuellen konkreten malerischen System ist bei ihm einzigartig. Die Dinge gewinnen ihr Eigenleben. Diese Veränderung des Realen, in dem er den funktionalen Wirklichkeitsbezug wegfiltert, bedeutet nicht ein Weg in die Abstraktion, sondern ein Herausstreichen des tieferen Sinngehaltes. Man kann bei Walldorf von realen Ideen sprechen, aber das ist ja in aller Kunst so. Aus diesen realen Ideen, zu der sich der einzelne Gegenstand gereinigt hat, wächst ein neues Bedeutungsgefüge, eine magische Welt, sein magischer Realismus. […] In seinen zahlreichen Ausstellungen und durch seine großen populären Wandaufträge hat er die Menschen mit seiner Kunst beglückt.”
Benno Walldorf , Aufnahme Anfang der 1980er Jahre
Und weiter, den Dichter und Essayisten Fritz Usinger (1895-1982) zitierend: „’Benno Walldorf malt Stühle für Stühle’. In einer Welt, in der alles betatscht, benutzt, gekauft, verbogen, vermessen, vermailt und vernetzt wird, ist die stille Ruhe der Gegenstände von Benno Walldorf von einem bedeutenden illusionistischem Zauber, aus dem uns eine heitere Kraft entgegen leuchtet.”
Aus: Friedhelm Häring, “Illusionisten”, Gießener Universitätsblätter 46 (2013), S. 119-132.
Mitglieder der Arbeits- und Forschungsgruppe:
Stefanie Berger, Dr. Ludwig Brake,
Frank Geck, Dr. Sabine Geck,
Dr. Jörn Pons-Kühnemann, Harriet Kühnemann
Dr. Georgia Rakelmann, Prof. Dr. Ulrich Seelbach BA
Bild unten: "Goethe heute" Benno Walldorf, Öl, 1967 © VG Bild-Kunst Bonn / Foto: Stefanie Berger, Gießen
Benno Walldorfs Bild "Goethe heute"
Benno Walldorfs großformatiges Bild "Goethe heute“ wurde im Rahmen einer Ausstellung der Galerie Patio im Oktober 1967 im Karmeliterkloster Frankfurt gezeigt. Es handelt sich um eine Walldorf‘sche Paraphrase von Tischbeins „Goethe in der Campagna di Roma“. Das Bild wurde damals von der Bank für Gemeinwirtschaft in Frankfurt erworben, kam dann in den Besitz der Nachfolgebank SEB und lagerte mehrere Jahre in einem Kunstdepot. Ende 2024 hat ein Mitglied der Arbeitsgruppe das Bild von der SEB-Bank übernehmen können. Benno Walldorfs Bild "Goethe heute" wurde beim Benno Walldorf Sommerabend im Museum für Gießen am 15. Juni 2025 präsentiert.
Beispiele Serigraphien von Benno Walldorf
Benno Walldorf: U.a. aus der Mappe "Zirkus" Nr. 1 "Flying Home"; Nr. 3 "O.K., Allright, You Win" ; Nr.7 Old Rockin' Chair, Nr. 6 "After You`ve Gone", Nr. 4 "Oh Susanna" Nr. 5 "Oh, Lady Be Good!", Nr. 2 "Franky and Jonny"| Bilder und Serigraphien: © VG Bild-Kunst, Bonn
"Flying Home"
"Allright, You Win"
"Old Rockin Chair"
"After You`ve Gone"
"Oh, Susanna"
"Oh, Lady Be Good!"
"Franky and Jonny"
© Benno Walldorf: "Meine theoretische Erfindung der Windkunst am 28.8.1971" | Bild: VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Museum für Gießen (MfG)
Benno Walldorfs Bild "Meine theoretische Erfindung der Windkunst" befindet sich
in der Dauerausstellung im Museum für Gießen (MfG), Altes Schloss, Brandplatz 2
© Foto: Museum für Gießen